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Auf Du und Du mit facebook und Co.

Was haben 200 Millionen Menschen weltweit gemeinsam? Sie alle verwenden die zu Weltruhm aufgestiegene Online-Plattform „facebook“! Zum Vergleich: Mitte 2007 waren gerade einmal 30 Millionen User auf der Internetseite registriert, diese Zahl hat sich also in nicht einmal 2 Jahren fast versechsfacht. Seitdem hagelt es von allen Seiten Kritik über die laschen Datenschutzmaßnahmen und Autoren berichten in Artikeln und Büchern über die gefährliche Zunahme an Missbrauch der persönlichen Daten. Mark Zuckerberg, ein US-Amerikanischer Programmierer und Gründer von „facebook“ dürfte dies wenig stören, immerhin stieg er durch die Seite zu einem sagenhaften Vermögen von etwa 1,5 Milliarden Dollar auf. Das „Time“-Magazin würdigte ihn als eine der 100 wichtigsten Personen und Microsoft schätzt den Wert seiner Firma bereits auf 15 Milliarden Dollar. Was aber steckt hinter dem Erfolg des 24-jährigen Studienabbrechers und warum findet man eigentlich nicht Handynummer und eMail-Adresse von Zuckerberg auf seiner Profilseite? Wissen-Kompakt hat sich der Sache angenommen!

Tatsächlich ist Zuckerberg nicht nur auf seiner „facebook“-Seite äußert scheu, was Auskünfte über sein Leben betrifft. Auch Interviews gibt der Unternehmer nicht ohne seine Presseleute. Ganz im Gegensatz zu einem Großteil der „facebook“-User, bei denen sogar 25% ihre private Handynummer angeben – die, ohne weitere Sicherheitsmaßnahmen, die ganze Welt einsehen kann. Als wäre dies nicht grotesk genug, gibt facebook in seiner Datenschutzerklärung auch dezidiert bekannt, dass Daten in besonderen Fällen an Dritte weitergegeben werden können. Dies ist etwa der Fall, wenn der Nutzer seine Zustimmung erteilt oder ihm Dienste zur Verfügung gestellt werden. Ob diese „Dienste“ auch „Werbung“ umfassen geht nicht direkt hervor, Tatsache ist aber, dass persönliche Informationen mit Marketing-Anbietern oder eCommerce-Firmen geteilt werden, wenn diese Funktion nicht deaktiviert wird. Und als wäre es selbstverständlich, werden bei einer Anmeldung auch IP-Adresse und Browsertyp bestimmt und „Cookies“ ausgelesen.
Natürlich sind diese sehr großzügig ausgelegten Datenschutzbestimmungen nicht nur bei „facebook“ vorhanden. Auch „MySpace“ und „StudiVZ“ geraten immer wieder ins Kreuzfeld der Kritik da etwa persönliche Informationen verwendet werden um personalisierte Werbung einzublenden. Und obwohl Datenschutzexperten genau hier ansetzen und die Internet-Nutzer über die dubiosen Bestimmungen warnen, scheinen diese die Bedenken kaum ernst zu nehmen, im Gegenteil: Viele legen sogar Wert darauf, dass ihre Profilseite vollständig und für alle einsehbar ist, dass die Fotos der letzten Party pünktlich hochgeladen werden und das alle wissen, dass man sich schon auf den Sommer freut. Der frivole Umgang mit Daten scheint ein Trend, fast ein Phänomen unserer Zeit zu sein. denn nicht nur im Internet geben wir leichtfertig unsere Anonymität auf. Überwachungskameras die verstärkt in öffentlichen Verkehrsmitteln und Plätzen montiert werden zeichnen jeden unserer Schritte auf. Kundenkarten in Geschäften ermöglichen Firmen genaueste Auflistungen, wer wann welches Produkt kauft. In den USA wurden Kundendaten von Lebensmittelfirmen an ein Kreditinstitut weitergeben. Dieses händigte Personen, die meist billige Lebensmittel kauften, niedrigere Kredite aus als Konsumenten, die qualitativ hochwertigere Ware erwarben.
All diese Beispiele verdeutlichen, dass wir uns zurzeit in einem Wandel befinden. Die Anonymität wird zunehmend aufgegeben, während Personen offen über sich sprechen – und das meist freiwillig. Die einzig plausible Erklärung für die Tatsache, dass Menschen Fotos von sich bei der Arbeit oder beim Feiern zur Verfügung stellen ist, dass sie andere an ihrem Leben teilhaben wollen. Sie wollen so Leute aus anderen Länder kennen lernen, die sie im richtigen Leben nie getroffen hätten. Sie wollen, im Angesicht der Tatsache, dass das Internet immer wichtiger wird, eine bleibende virtuelle Existenz errichten um so gefunden zu werden. Sie wollen einen eigenen Fußabdruck im größten Netzwerk der Menschheit hinterlassen.
Möglicherweise aber überschätzen wir die Wichtigkeit des Internet. Zwar verwenden viele Firmen heutzutage Suchmaschinen um Informationen über neue Mitarbeiter zu erlangen, das Vorstellungsgespräch ist in der realen Welt weitaus bedeutender. Daher ist die Entwicklung der Internet-Platformen durchaus zu kritisieren. Natürlich auch, weil sie aus Profitgier Daten an Dritte weitergeben, vor allem aber, weil sie die Menschen nicht näher zusammenbringen, wie sie selbst meinen, im Gegenteil: Meist verbringen die User von facebook und Co. mehr Zeit, ihr virtuelles Profil zu aktualisieren, als mit ihren Freunden in der Realität zusammen zu sein. Ähnlich wie im Spiel „Second Life“ wo die zweite, virtuelle Welt von einigen bald über die reale gestellt wurde, aus vielfachen Gründen: Einerseits konnte man sich selbst so modellieren, wie man es gerne hatte, andererseits war es egal, was man in „Second Life“ alles anstellte, es konnte es keinerlei Konsequenzen geben. Betrachtet man die Angelegenheit also aus diesem Blickwinkel, so ist die scheinbare Offenheit im Internet kein Indiz für mehr Mitteilsamkeit, sondern ein weiterer Rückzug in die virtuelle Welt. In eine Welt, die man selbst mitgestalten und scheinbar einfach wieder löschen kann, wenn sie einem nicht gefällt. Tatsache ist aber, dass man alle Informationen, die man einmal ins Netz gestellt hat, nur schwer von dort wieder entfernen kann. Vielleicht aber, sind solche Plattformen nur Blasen, die mit der Zeit langweilig werden und wieder platzen, bis sich neue Ideen finden. Mark Zuckerberg kann es zumindest egal sein, er braucht für den Rest seines Lebens nicht mehr zu arbeiten, dank 200 Millionen treuer Kunden.